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Auf diesen Seiten informieren wir Sie über den Nymphenburger Kantatenchor. Erfahren Sie mehr über unsere Konzerte, unser Repertoire und unsere Chorgeschichte.

Informieren Sie sich über unsere bevorstehenden Aufführungen - und wenn Sie immer auf dem Laufenden bleiben möchten, abonnieren Sie einfach unseren Newsletter, der Ihnen in unregelmäßigen Abständen zugeschickt wird - immer dann, wenn wir wieder mit viel Freude und Eifer ein Oratorium, eine Motette zum Gottesdienst oder auch außerhalb unserer Kirchenmauern etwas zur Aufführung bringen.

Und falls Sie Lust bekommen haben, bei uns mitzusingen, dann kontaktieren Sie doch bitte unseren Chorleiter Thomas Baron.

Wir proben

Wann: Jeden Montag von 19.30 Uhr bis 22.00 Uhr
Wo:     Im Gemeindehaus der Stephanuskirche

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Surfen auf unseren Seiten und freuen uns, Sie in einem unserer Konzerte begrüßen zu dürfen.

Ihr
Nymphenburger Kantatenchor

 

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Liebe Musikbegeisterte,
damit einer Verbreitung des Corona-Virus Einhalt geboten wird, sind alle Aktivitäten des Chors abgesagt worden.
Es finden momentan keine Proben, Konzerte bzw. Chorgesang im Gottesdienst statt.

Wir bitten um Verständnis und Kenntnisnahme. Voraussichtliche Probenarbeit wieder nach den Osterferien.

 

 

Das Konzert im Herkulessaal

mit dem Nymphenburger Kantatenchor

am

Montag, 18. Mai 2020, 20.00 Uhr

 

Carl Orff

"Carmina Burana"

organisiert und veranstaltet vom Lionsclub München

 

muss leider aus gegebenen Gründen abgesagt werden.

 

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 Konzert zu Himmelfahrt

mit dem Nymphenburger Kantatenchor

am

Donnerstag, 21. Mai 2020, 18.00 Uhr

 

Georg Philipp Telemann
"Auferstehung und Himmelfahrt"

 

Johann Sebastian Bach
"Himmelfahrtsoratorium"

 

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Ob das angekündigte Konzert kann leider ebenfalls nicht stattfinden.

Hoffen wir, dass wir im Herbst, am 24.10.2020, unserem Publikum die Schubert-Messe zu Gehör bringen können.


Zwei Chormitglieder haben über die zwei o.a. Werke für Himmelfahrt eine Werksbeschreibung fertiggestellt.
Diese Texte wollen wir Ihnen nicht vorenthalten:

 

Telemann: Auferstehung und Himmelfahrt

Georg Philipp Telemann (1681-1787) gehört zu den kreativen Genies, die auch noch im hohen Alter große Werke erschaffen können. Er trug seit dem Jahr 1721, also ab seinem 30. Lebensjahr, als Musikdirektor für die fünf Hamburger Hauptkirchen und Kantor des Johanneums Verantwortung, aber er arbeitete auch für die Oper und veranstaltete öffentliche Konzerte, deren Eintrittsbillets bei ihm gekauft werden mussten. Bei diesen Konzerten konnte er der orthodox-kirchlichen Zensur entgehen, die für seine vielen dem Gottesdienst verpflichteten Kantaten wirksam war. In seiner Musik – es sollen über 3600 Werke sein - spiegelt sich der allmähliche Wandel seiner Zeit vom Barock zur Vorklassik. Das gilt auch für die Libretti, die er von den neuesten Dichtern der Empfindsamkeit erbat, die sich bei ihren biblischen Stoffen von der Übersetzung Luthers entfernt hatten. Das unterschied ihn von seinem Zeitgenossen Johann Sebastian Bach (1685-1750). Man kann hier vor allem an Friedrich Gottlieb Klopstock denken, aus dessen „Messias“ Telemann einige Gesänge vertont hat. Für das Oratorium „Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu“ ist dieser Hinweis wichtig. Hier wandte Telemann sich trotz des biblischen Stoffes nicht an einen dichtenden Theologen, sondern an den seinerzeit berühmten Poeten Karl Wilhelm Ramler (1725-1798) aus Berlin, der eine „musikalische Poesie“ zu schreiben vermochte. Der Dichter schrieb an den Dichter-Kollegen Johann Wilhelm Ludwig Gleim: „… ich habe ein feierliches Versprechen von mir gegeben auf Ostern etwas fertig zu machen, woran sich ein alter Musikus totsingen will. Herr Telemann, ein Greis von 78 Jahren, will seinen Schwanengesang singen, und dazu soll ich ihm die Worte vorsprechen.“ Es wurde kein Schwanengang, aber doch, gleichfalls mit den Worten Ramlers, der letzte Teil einer Trilogie, die mit dem Passionsoratorium „Der Tod Jesu“ (1755) und der Weihnachtskantate „Die Hirten bei der Krippe zu Bethlehem“ (1759) begonnen hatte. Einen gewissen theologischen Abschluss wird man nicht verkennen.Die Uraufführung fand am 28. April 1760 nicht in einer Kirche, sondern im „Drillhaus“ der Hamburger Bürgerwache in Hamburg statt. Der Eintritt kostete 1 Mark, d. h. 20 Schilling – kein Preis für arme Leute. Sie traf den Zeitgeschmack, wobei die schönen Melodien und die Tonmalerei gerühmt werden. Das Libretto Ramlers wurde in der Folge auch von anderen Komponisten vertont, so von Telemanns Nachfolger, dem Bach-Sohn Carl Philipp Emanuel Bach.

Ramlers Libretto schildert in sieben Abteilungen, die in der Regel aus der Folge Rezitativ – Arie – Chor - bestehen, die biblische Geschichte von der Auferstehung und Himmelfahrt Christi. 1. Das Erdbeben bei Jesu Auferstehung, die Flucht der Römer, 2. Die Erscheinung des Engels vor den drei Marien am Grabe Jesu, 3. Maria Magdalena am Grabe Jesu, 4. Erscheinung Jesu vor den Töchtern Zions, 5. Jesus und die Jünger bei Emmaus, 6. Jesus und der ungläubige Thomas, 7. Jesu Himmelfahrt. Die Texte der Chöre sind überwiegend aus dem Psalter genommen, der christologisch gelesen wird.

Telemann setzt dem Werk eine düstere sarabandenartige Einleitung voran (Trauer über den Tod Jesu), es folgen eindringliche Chöre (z. B. die erschütternde Chorfuge am Beginn oder der prächtige Psalmchorkomplex zum Beschluss des Werkes), und großangelegte, mit wechselnden obligaten Instrumenten versehene Da-capo-Arien. Hervorzuheben sind die beiden Duette, von denen eines (Ihr Tore Gottes, öffnet euch) die Form einer französischen Ouverture zeigt, das andere aber (Vater deiner schwachen Kinder) einen hochempfindsamen Ton anschlägt, von dem sich schon Telemanns Zeitgenossen zu Tränen rühren ließen. Umfangreiche Rezitative geben ähnlich wie in den Evangelien-Passionen Bachs den Handlungsverlauf an. Statt des lutherischen Bibeltextes wird hier jedoch das Geschehen in freier Dichtung auf lyrische Weise geschildert. Die Rolle Jesu wird mit einem Bass besetzt, Maria singt Sopran.

Eines der auffälligsten Merkmale dieses Telemannschen Spätwerkes ist die Dominanz des Wortes, die hier die Botschaft vom Sieg über Hölle und Tod, von der Rettung der Menschheit durch den Erlöser vermittelt. Telemann deutet die Dichtung nach den ihr innewohnenden Affekten aus. Die Motive in den Arien, aber auch in den Chören, sind oft kurzgliedrig und kontrastreich und leiten sich in erster Linie vom Text her. Der Komponist entwickelt einen ganz eigenen musikalischen Ton, der aus einer Verschmelzung von älteren Formen und Stilmitteln mit einer modern anmutenden, sehr unmittelbar auf die empfindsame Dichtung eingehenden Motivik und Harmonik entsteht. Die Komposition ist dicht und elegant zugleich und entspringt einer eigenständigen Stilwelt, die man „telemannisch“ genannt hat.

Nach seinem Tode 1767 geriet Telemann wie auch die anderen alten Barockmeister in vollständige Vergessenheit. Während jedoch die Bach- und Händel-Wiederentdeckung bereits im 19. Jahrhundert begann, setzte die eigentliche Telemann-Rezeption erst hundert Jahre später ein, insbesondere nach dem 2. Weltkrieg. Die Aufführung des Nymphenburger Kantatenchors folgt dieser Neubewertung.

 

Bach: Himmelfahrtsoratorium

Die großen christlichen Feste sind ohne Johann Sebastian Bachs große Oratorien kaum denkbar, diese werden alljährlich überall aufgeführt, und vor allem die h-moll-Messe gilt als Höhepunkt der Bach-Kunst. Nur das „Himmelfahrtsoratorium“ (Bach selbst spricht lateinisch von „Oratorium Ascensionis Christi“) ist kaum bekannt und wird nur selten zu Gehör gebracht. Die Musikwissenschaft vermutet, das könne daran liegen, dass der überbeschäftigte Bach in seiner Zeitnot für den Eingangschor und die Arien weltliche Kantaten „parodiert“, also einfach umgetextet, hat. Das hat er aber auch sonst getan, und da diese weltlichen Werke heute verschollen sind, ist in ihnen der „echte“ Bach erhalten und kann erklingen. Überhaupt: Bach ist Bach und ist in jedem Fall eine Entdeckung wert. Das Wunder ist ja, wie diese Verschmelzung einer ursprünglich weltlichen festlichen Musik mit dem geistlichen Anlass so gut gelungen ist, dass man es nicht merkt. Bach hat das Oratorium für den 19. Mai 1735 komponiert, das ist fast auf den Tag genau 285 Jahre vor der Aufführung durch den Nymphenburger Kantatenchor – also geradezu ein Jubiläum! Auch wenn der Umfang eher auf eine Kantate schließen ließe, ist das Werk doch in seiner Folge von chorischem Beginn, Rezitativen, Arien und Schlusschoral ein typisches Oratorium, wie wir es aus den großen Oratorien kennen. Der Eröffnungssatz geht unmittelbar in den vierstimmigen Choral „Lobet Gott in seinen Reichen“ über. Was daran weltlich sein soll, werden die Hörerinnen und Hörer schwerlich heraushören. Dann folgt der Evangelist – wie immer ein Tenor – in den Rezitativen mit der biblischen Geschichte, die aus in ihrer dreifachen Überlieferung aus den Schriften des Lukas und Markus in Annäherung an Luthers Übersetzung geschildert wird, und zwar genau auf die vorgeschriebene Liturgie des Festes: Der Text der Apostelgeschichte (Kapitel 1) war (und ist noch immer) die Epistel des Himmelfahrts-Tages, der Text des Markus-Evangeliums (Kapitel 16) das Evangelium des Tages. Beides wird von dem (unbekannten) Textdichter mit der Erzählung des Lukas-Evangeliums (Kapitel 24) verknüpft. In dem folgenden Rezitativ („Recitativo accompagnato“) spricht ein Jünger, gesungen von einem Bass, Jesus selbst an: „Ach, Jesu, ist dein Abschied schon so nah?“. Die „begleitenden“ Rezitative – auch das zweite von einem Alt gesungene - führen in die Gegenwart des Geschehens und sind textlich wie musikalisch ganz anders gestaltet. Die Musik zur ersten Alt-Arie in Gebetsform „Ach, bleibe doch“ kennt der Bach-Hörer im „Agnus Dei“ in der h-Moll-Messe wieder. Sollte beiden Arien ein weltlicher Anlass zugrunde gelegen haben, so ist das im Rahmen der biblischen Erzählung wirklich nicht zu erahnen. Das kann man auch zu der Sopran-Arie „Jesu, deine Gnadenblicke“ sagen. Die beiden weiteren Choräle, die immer das Anliegen der Gemeinde vertreten, gehen auf die damals beliebten christlichen Dichter Johann Rist und Gottfried Wilhelm Sacer zurück, d. h. Bach knüpft bewusst an die seiner Hörergemeinde bekannten Gesangbuch-Lieder an, die sie geradezu innerlich mitsingen kann. Der Schluss-Choral „Wenn [wann] soll es denn geschehen?“ richtet den Blick von der Himmelfahrt sehnend auf die Wiederkunft Christi „Komm, stelle dich doch ein!“ – mit Pauken und Trompeten in einem festlichen D-Dur. Das Himmelfahrtsfest ist eben ein wirkliches Fest. So soll es auch klingen.Der Orchestersatz erfordert wie in den großen Oratorien neben den gewohnten Streichern und Blasinstrumenten Pauken und Trompeten. Die Choräle sind anspruchsvoll homophon, aber auch im Wechsel mit dem Orchester komponiert. Dieses musikalische Gespräch mit dem Orchester ist besonders in den Arien ausgeprägt. Das besonders Reizvolle der zweiten (Sopran-) Arie zum Beispiel ist, dass die begleitenden Instrumente Flöten, Oboe, Streicher zunächst einen Triosatz bilden, der durch die hinzutretende Sopranstimme zu einem Quartettsatz erweitert wird. Bach hat alle seine Kunst angewandt in diesem Werk, das zu Unrecht nur selten zu Gehör kommt. Eine rechte Jubiläums-Musik!

 

 

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